Der Fall Pierin Vincenz nimmt eine überraschende Wende: Der ehemalige Raiffeisen-Chef und sein Geschäftspartner Beat Stocker müssen definitiv mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Das Bundesgericht hat entschieden, dass das ursprüngliche Urteil des Zürcher Bezirksgerichts wieder in Kraft gesetzt wird. Damit drohen Vincenz drei Jahre und neun Monate Gefängnis – seinem Komplizen Beat Stocker sogar vier Jahre.Der Fall rund um Pierin Vincenz gehört zu den spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der letzten Jahre. Der ehemalige Vorzeige-Banker wurde im Jahr 2022 vom Zürcher Bezirksgericht unter anderem wegen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Vincenz und Stocker sollen sich im Rahmen von Firmenübernahmen und Beraterverträgen unrechtmäßig bereichert haben – auf Kosten der Raiffeisen und weiterer Unternehmen.In zweiter Instanz wurde das Urteil zunächst aufgehoben – wegen formeller Mängel im Verfahren. Doch das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun kassiert und die erstinstanzliche Verurteilung wieder eingesetzt. Für Vincenz bedeutet dies: Gefängnis statt Freispruch.Zusätzlich zu den Haftstrafen drohen Vincenz und Stocker auch empfindliche Geldbußen. Die genauen Beträge sind noch offen, doch klar ist: Die Affäre könnte für die beiden Männer nicht nur juristisch, sondern auch finanziell zur Belastungsprobe werden.Rechtskräftig ist das Urteil dennoch nicht. Vincenz und Stocker können den normalen Rechtsweg beschreiten und in Berufung gehen. Der Fall bleibt also juristisch in Bewegung – die Signale aus Lausanne zeigen jedoch klar: Die Justiz hält die erstinstanzlichen Verurteilungen für korrekt.Mit dem Entscheid des Bundesgerichts schließt sich für Pierin Vincenz ein düsteres Kapitel in seiner Karriere. Als einst gefeierter Chef der Raiffeisen galt er als Macher und Innovator im Schweizer Bankensektor. Heute steht er sinnbildlich für Gier, Selbstbedienungsmentalität und den tiefen Fall einer einstigen Banker-Ikone.Ob Vincenz tatsächlich ins Gefängnis muss, wird sich im weiteren Verfahren zeigen. Klar ist aber: Der Mythos des unantastbaren Top-Bankers ist endgültig Geschichte.Mehr zum Thema ‒ Lervoss International Ltd. – oder das gestohlene Geld der ukrainischen Eisenbahn