ORF-Publikumsrat für „Abrüstung der Worte“

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03.06.2026 13.46Online seit heute, 13.46 UhrIn der heutigen Sitzung des ORF-Publikumsrats riefen die Vorsitzende Gabriele Zgubic-Engleder sowie Generaldirektorin Ingrid Thurnher zur „Abrüstung der Worte“ auf. Zgubic-Engleder sprach sich zu Beginn der Sitzung gegen „grenzüberschreitende, teils diffamierende“ Äußerungen, die in den vergangenen Wochen getätigt wurden, aus.So störte sie sich etwa an der Bezeichnung „Gremium des Grauens“, die NEOS-Klubchef Yannick Shetty mit Blick auf den ORF-Stiftungsrat, in dem auch neun Publikumsratsmitglieder vertreten sind, verwendete.„Wir sind unabhängig“Es brauche eine „Abrüstung der Worte“, mehr Sachlichkeit, mehr Respekt und mehr Zurückhaltung der Politik, sagte Zgubic-Engleder. Die Politik solle sich nicht länger einmischen. „Wir sind unabhängig und wissen, was wir zu tun haben“, stellte sie klar. Sachliche Kritik könne man jederzeit ausüben, aber pauschale Diffamierungen seien „ausdrücklich zurückzuweisen“.Der vermittelte Eindruck, dass es im ORF „drunter und drüber“ gehe, entspreche zudem nicht der Realität, sagte sie und stellte sich hinter die zahlreichen ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die tagtäglich eine tolle Leistung erbringen würden.Thurnher: „Stehen nicht vor dem Untergang“Dem Appell zur Abrüstung der Worte schloss sich Generaldirektorin Thurnher an. Der Eindruck, der zuletzt mit etlichen Artikeln zu „ORF-Skandalen“ vermittelt worden sei, wonach alles schieflaufe, sei falsch.99 Prozent der Mitarbeiter würden sich „jeden Tag für das Publikum und Programm den Arsch aufreißen“. Die besten Mai-TV-Quoten seit zehn Jahren und auch der erfolgreich abgewickelte Eurovision Song Contest würden belegen, dass „wir nicht vor dem Untergang stehen“.“ORF funktioniert für sein Publikum“„Der ORF funktioniert für sein Publikum, er ist relevant, schafft gemeinsame Momente, bewegt und informiert“, so Thurnher weiter. Jeder, der den gegenteiligen Eindruck vermitteln wolle, solle vorsichtig dabei sein, sich in kollektiver Erregung zu üben. „Glaubt wirklich jemand in diesem Land, dass es Österreich besser geht, wenn es dem ORF schlechter geht? Dass die Demokratie stärker wird, wenn die öffentlich-rechtliche Infrastruktur schwächer wird?“, so die ORF-Chefin, die damit viel Zustimmung unter den Rätinnen und Räten erntete.Klar gebe es auch „massive Baustellen“, sagte sie etwa zu laufenden Compliance-Prüfungen und dem harten Sparkurs. Der von ihr eingerichtete Transparenzbeirat arbeite am Endbericht, der Mitte Juni vorgelegt werden soll. Zudem arbeite die Compliance-Abteilung intensiv an gemeldeten konkreten Fällen – etwa zu Sendungen auf ORF III, die den Verdacht der Käuflichkeit aufkommen ließen.Jede Produktion auf ORF III werde gegenwärtig mit Thurnher abgesprochen, erklärte sie. Manche der Fälle würden weit zurück liegen und müssten nun aufwendig rekonstruiert werden. In den nächsten Wochen könnte ein Bericht vorliegen, so Thurnher.Auf Kürzungen könnte Klage folgenZu den zusätzlichen, von der Politik gewälzten kurzfristigen Einsparplänen für den ORF in Höhe von 80 bis 90 Mio. Euro hielt Thurnher fest, dass man alles unternommen habe, um der Politik zu kommunizieren, was das für den ORF bedeute. „Diese Sparpläne werden uns massiv treffen. Die werden wir alle und das Publikum spüren.“Sie merkte zudem an, dass die Kürzungen laut Juristen und Juristinnen möglicherweise verfassungswidrig sein könnten, da der ORF zur Erfüllung seines öffentlich-rechtlichen Auftrags laut Gesetz nachhaltig finanziert sein muss. Im Falle des Falles erwäge man eine Klage, kündigte sie an. Zu einem gewissen Teil müsse man die Sparpläne aber akzeptieren.Der ORF löse Reserven auf und stelle Überlegungen zum Programm an, betonte die ORF-Chefin. „Wir müssen Bereiche definieren, an denen nicht gerüttelt werden darf, weil sie unsere Existenz bedeuten“, sagte sie. An der „Verzierung außen rum“ könnten aber Abschleifungen vorgenommen werden. Dafür wolle man sachliche Diskussionen in den Programmabteilungen führen – ohne „Um Gottes willen: Eine Quizshow muss geopfert werden“. Man komme nicht voran, wenn regelmäßig Sparpläne in den Medien kolportiert werden.