15.10.2026 10.23Online seit heute, 10.23 UhrDie Antisemitismusmeldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) hat heuer im ersten Halbjahr 671 Vorfälle dokumentiert.Darunter finden sich zwölf physische Angriffe, 18 Bedrohungen, 68 Sachbeschädigungen, 226 Massenzuschriften und 347 Fälle verletzenden Verhaltens, hieß es am Donnerstag. Das bedeutet zwar einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr, aber immer noch doppelt so viel wie vor dem Hamas-Angriff 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg.„Grenze des Machbaren verschoben“Konkret waren es 726 Vorfälle im Vergleichszeitraum 2025, im ersten Halbjahr 2023, also vor dem 7. Oktober, hingegen 311. IKG-Präsident Oskar Deutsch meinte in einer Aussendung: „Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich nicht nur die Grenze des Sagbaren, sondern auch des Machbaren verschoben.“„Auf antisemitische Worte folgen Drohungen und Angriffe gegen Jüdinnen und Juden. Der Ausnahmezustand ist Alltag“, so Deutsch. 191 Vorfälle im ersten Halbjahr 2026 hatten nach Einschätzung der Meldestelle einen muslimischen, 162 einen linken und 147 einen rechten Hintergrund. Bei 171 Vorfällen sei keine eindeutige ideologische Zuordnung möglich gewesen.Wie unmittelbar sich das Weltgeschehen und „damit verbundene Propaganda“ auf Jüdinnen und Juden in Österreich auswirke, zeigt sich nach Angaben der IKG am Beispiel des Krieges zwischen den USA/Israel und dem Iran: In den zwei Wochen nach Kriegsbeginn am 28. Februar registrierte die Meldestelle fast doppelt so viele Vorfälle wie in den zwei Wochen davor, der März wurde mit 152 Vorfällen zum meldestärksten Monat des Halbjahres.Auf hohem Niveau blieb die Zahl auch im Mai, in den unter anderem der Eurovision Song Contest in Wien und die Berichterstattung rund um die Gaza-Flotilla fielen, meint man bei der Kultusgemeinde.Bauer verweist auf Islamische GlaubensgemeinschaftSeitens der Bundesregierung bezeichnete Integrationsministerin Claudia Bauer die hohe Zahl der Vorfälle in einer schriftlichen Mitteilung als „beschämend“ und richtete ihren Fokus einmal mehr auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ).„Radikale Strömungen sind Gift für unser Zusammenleben, egal ob dieser Extremismus von links, rechts oder dem Islam kommt. Es ist aber schon mehr als bedenklich, wenn ein weiteres Mal der muslimische Antisemitismus mit Abstand auf Platz eins liegt. Hier ist die Glaubensgemeinschaft in Verantwortung.“Der für den Kampf gegen Antisemitismus zuständige Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sah trotz des leichten Rückgangs keinen Grund zur Entwarnung. „Jüdinnen und Juden dürfen niemals für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden“, meinte er. „Die Bundesregierung wird den eingeschlagenen Weg mit der Nationalen Strategie gegen Antisemitismus konsequent fortsetzen. Unser Ziel ist und bleibt, dass Jüdinnen und Juden in Österreich sicher, frei und ohne Angst leben können.“