14.10.2026 14.20Online seit heute, 14.20 UhrDie Bundesregierung will öffentliche Vergaben im Zuge ihrer Industriestrategie stärker europäisch ausrichten. Von Aufträgen etwa für Bahn, Straßen und den Energiesektor sollen künftig verstärkt europäische bzw. heimische Unternehmen profitieren, um Arbeitsplätze zu sichern und internationale Abhängigkeiten zu verringern.Mit der Unterzeichnung der „Made in Europe“-Deklaration im Kanzleramt bekannte sich dazu heute knapp ein Dutzend staatsnahe Firmen. Die öffentliche Hand gibt jährlich rund 70 Mrd. Euro für Produkte und Dienstleistungen aus.Stocker: „Frage der strategischen Autonomie“Laut der Erklärung, zu deren Unterzeichnern ÖBB, APG, Post und Verbund gehören, soll das Geld vermehrt Herstellern in Europa zugutekommen, um europäische Technologien zu fördern und damit auch die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten.Für Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist das eine „Frage der strategischen Autonomie“, bei der „nicht entscheidend ist, was heute am billigsten ist, sondern langfristig den größten Nutzen bringt“.„Qualitatives Bestbieterprinzip“ bei VergabenIm Vergabewesen soll konkret das „qualitative Bestbieterprinzip“ verankert werden, das neben dem Preis auch „Faktoren wie Qualität, Innovation und langfristige Wirtschaftlichkeit“ berücksichtige, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattsmannsdorfer (ÖVP).Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) erinnerte an das Eigentum der Republik an den Bundesbahnen (ÖBB) und der ASFINAG als Hebel für strategische Investitionen und verwies dabei auf laufende und zukünftige Milliardeninvestitionen.NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn sah in der Deklaration einen „Reiseführer aus der Krise“. Wichtig sei für ihn, dass auch kleinere Betriebe bei Vergaben leichter zum Zug kommen.Kontrollmechanismen offenVage blieben die Regierungspolitiker zur Frage möglicher Kontrollmechanismen oder Sanktionen für Unternehmen, sollte die Beschaffung im Rahmen öffentlicher Vergaben nicht europäisch erfolgen. Hattmannsdorfer sprach von einer Art „Begründungspflicht“, die aber noch auf EU-Ebene abzustimmen sei.Hanke erinnerte an den schon im Sommer angekündigten „Aktionsplan“ zu „Made in Europe“, der bis Ende des Jahres erarbeitet werden und in dem dieser Aspekt berücksichtigt werden solle.