15.10.2026 07.37Online seit heute, 7.37 UhrDer Bewährungshilfeverein Neustart stellt 2027 das Arbeitstraining für Haftentlassene ein. Ausschlaggebend dafür sind budgetäre Gründe. Dem Verein fehlen aufgrund der Kürzungen im Doppelbudget 2027/28 in den kommenden zwei Jahren acht Millionen Euro.Hoffen auf Rücknahme von KürzungenNeustart-Geschäftsführer Alfred Kohlberger sagte, er hoffe auf eine zumindest teilweise Rücknahme der Kürzungen, denn sonst seien weitere Auswirkungen auf Umfang und Qualität der sozialarbeiterischen Dienstleistungen die Konsequenz.Das Arbeitstraining soll Straftäterinnen und Straftätern nach längeren Haftstrafen den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Im Vorjahr wurden in Werkstätten in Wien und Linz 326 Klientinnen und Klienten betreut und beschäftigt. Von der Schließung sind auch acht hauptberufliche Neustart-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter betroffen.Sporrer: „Etwas überrascht“Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) sagte im Ö1-Morgenjournal, sie sei von dem Schritt „etwas überrascht“, das sei mit dem Ministerium nicht so vereinbart gewesen. Die Information des Ministeriums sei gewesen, dass Neustart „aus Rücklagen sein bisheriges operatives Geschäft bestreiten kann“, so Sporrer.Neustart-Geschäftsführer Kohlberger betonte in einer Aussendung, dass „soziale Absicherung und eine Beschäftigung wichtige Faktoren in der Rückfallsvermeidung“ seien. Doch „ohne entsprechende Finanzierung müssen wir unsere Angebote leider reduzieren“, so Kohlberger.„Betreuungsschlüssel“ muss angepasst werdenNeustart muss auch den „Betreuungsschlüssel“ anpassen. An sich ist im Bewährungshilfegesetz festgelegt, dass ein einzelner Bewährungshelfer maximal 35 Klienten betreuen darf. Im August lag man bei Neustart im Schnitt bereits bei rund 40.Angesichts der finanziellen Engpässe müsse man sich von der gesetzlichen Vorgabe noch weiter entfernen, warnte Kohlberger: „Diese Kürzungen gehen auf Kosten der Sicherheit in unserem Land.“Der Bewährungshilfeverein unterstützt ausdrücklich die Forderungen der Richterschaft und der Staatsanwälte nach mehr Planstellen, die diese gemeinsam mit der Gewerkschaft im Zuge der „Aktionswoche für den Rechtsstaat“ erheben. „Eine ausreichende Mittelausstattung für die Justiz ist in einem Rechtsstaat kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, so Kohlberger.