Verbraucherzentrale: Beworbene Bahnpreise fast unauffindbar

Wait 5 sec.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband nimmt die Preisstruktur der Deutschen Bahn erneut ins Visier. Eine Langzeituntersuchung des vzbv kommt zu dem Ergebnis, dass die von der Bahn beworbenen günstigen Sparangebote bei Fahrten tagsüber häufig nicht zu den angezeigten Konditionen verfügbar sind. Auf ihrer Webseite wirbt die Bahn gerne mit attraktiven Preisen Für Reisende heißt das: Wer ein günstiges Ticket sucht, muss nicht nur früh buchen, sondern oft auch viel Zeit und Geduld mitbringen. Die Untersuchung stützt sich auf ein skriptbasiertes Preismonitoring zwischen dem 1. Juni 2024 und dem 30. April 2026. Erfasst wurden täglich die günstigsten verfügbaren Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main. Insgesamt kamen über 690 Erhebungstage 289.154 Verbindungsabfragen zusammen. Berücksichtigt wurden Fahrten in der 2. Klasse, jeweils tagsüber mit Abfahrt zwischen 7 und 19 Uhr sowie mit kurzfristiger, mittelfristiger und langfristiger Buchung.Super Sparpreis oft nur außerhalb üblicher ZeitenNach Angaben des vzbv lagen die günstigsten erhobenen Super Sparpreise für Fahrten tagsüber an 76 Prozent der untersuchten Erhebungstage über dem jeweils beworbenen Angebot. Die Abweichungen fielen dabei sehr unterschiedlich aus. Die beobachteten Ticketpreise lagen zwischen 15 und 157 Prozent über dem Preis, mit dem die Bahn tagesaktuell auf ihrer Webseite warb. Nur an 24 Prozent der Tage entsprachen die gefundenen Preise dem beworbenen Super Sparpreis oder lagen darunter.Die Verbraucherzentrale kritisiert daran vor allem die Planbarkeit. Wer die Preislogik nicht kennt, sucht länger und zahlt im Zweifel mehr. Die Ergebnisse passen zu einem grundsätzlichen Problem, das Verbraucherschützer der Bahn schon länger vorhalten: Der Zugang zu günstigen Tickets ist für viele Kunden nicht nur eine Preisfrage, sondern auch eine Frage der Bedingungen. Erst im vergangenen Jahr hatte der vzbv vor Gericht erreicht, dass der Kauf vergünstigter Fahrkarten nicht zwingend an die Angabe persönlicher Kontaktdaten gekoppelt werden darf. Das entsprechende Urteil zur Datenabfrage bei Sparpreis-Tickets ist inzwischen nicht mehr anfechtbar.Früh buchen kann helfen, vielleichtDie Untersuchung bestätigt bekannte Faustregeln, liefert aber zugleich konkrete Größenordnungen. Günstiger reisen Kundinnen und Kunden laut vzbv vor allem zu Wochenbeginn oder an Samstagen, zum Jahresbeginn, zu Randzeiten am frühen Morgen oder Abend sowie bei langfristiger Buchung. Ideal sei demnach eine Buchung etwa zwölf Wochen im Voraus.Wie deutlich sich der Zeitpunkt auswirken kann, zeigt ein Vergleich der Super Sparpreise: Bei den untersuchten Strecken lagen kurzfristig gebuchte Tickets knapp dreimal so hoch wie langfristig gebuchte Fahrkarten. Der vzbv beziffert den Unterschied mit 180 Prozent. Wer erst kurz vor der Reise bucht, bekommt also nicht nur weniger Auswahl, sondern trifft auch auf ein spürbar anderes Preisniveau.Beim Fahrplanwechsel 2025/2026 hatte die Bahn angekündigt, auf Fahrpreiserhöhungen zu verzichten. Die Untersuchung bestätigt dies nach Darstellung der Verbraucherzentrale zwar grundsätzlich, zeigt aber je nach Strecke und Buchungszeitraum deutliche Unterschiede. Vor allem bei Sparangeboten stiegen die erhobenen Preise vom ersten Quartal 2025 zum ersten Quartal 2026 teilweise deutlich. Mittelfristig gebuchte Super-Sparpreis-Tickets verteuerten sich über die untersuchten Strecken hinweg um 36 Prozent. Je nach Strecke beobachtete der vzbv sogar Steigerungen von bis zu 111 Prozent.Der Beitrag Verbraucherzentrale: Beworbene Bahnpreise fast unauffindbar wurde zuerst auf ifun.de veröffentlicht.