Täglich werden inzwischen zehntausende neue Musiktitel auf Streaming-Plattformen veröffentlicht. Ein wachsender Teil davon stammt nicht mehr von klassischen Künstlern und Bands, sondern wird vollständig von künstlicher Intelligenz erzeugt. Nach Angaben des Streaming-Anbieters Deezer landen mittlerweile rund 75.000 KI-generierte Songs pro Tag auf der Plattform. Das entspricht fast der Hälfte aller täglichen Neueinreichungen.Versteckt in Berlin Mitte: Das deutsche Apple Music StudioFür Musikdienste entsteht dadurch ein neues Problem: Wie lassen sich relevante Veröffentlichungen finden, wenn die Zahl neuer Titel immer schneller wächst und Nutzer KI-generierte Musik oft kaum noch von menschlichen Produktionen unterscheiden können?KI-Songs verändern die SpielregelnApple Music setzt bei dieser Herausforderung weiterhin auf einen vergleichsweise klassischen Ansatz. Statt Empfehlungen ausschließlich Algorithmen zu überlassen, spielen menschliche Musikredakteure bei der Auswahl und Einordnung neuer Veröffentlichungen eine zentrale Rolle.Zahlreiche Playlisten werden von Musikredakteuren betreut, die Neuerscheinungen sichten, Künstler beobachten und Entwicklungen innerhalb einzelner Genres verfolgen. Personalisierte Empfehlungen spielen zwar auch hier eine wichtige Rolle. Die individuelle Startseite orientiert sich am Hörverhalten der Nutzer. Bevor Inhalte jedoch in den Empfehlungsmechanismen auftauchen, erfolgt häufig bereits eine redaktionelle Vorauswahl.Die Algorithmen werden von KI-Tracks überranntDieser Ansatz soll verhindern, dass sich Empfehlungen ausschließlich an Reichweite, Trends oder automatisierten Signalen orientieren. Stattdessen können auch Künstler und Songs sichtbar werden, die noch keine großen Abrufzahlen erreichen.Gerade angesichts der zunehmenden Flut KI-generierter Musik gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Wo Algorithmen täglich eine kaum noch überschaubare Zahl neuer Titel einordnen müssen, setzt Apple auf den zusätzlichen Qualitätsfilter der menschlichen Auswahl.Warum Apple Music keine Abrufzahlen anzeigtWährend viele Streamingdienste heute stark auf einzelne Titel, virale Trends und algorithmisch erzeugte Empfehlungen setzen, verfolgt Apple Music zudem auch einen vergleichsweise albumorientierten Ansatz. Das zeigt sich nicht nur in der Gestaltung der App, sondern offenbar auch im Nutzungsverhalten der Abonnenten.Nach internen Auswertungen hören Nutzer von Apple Music überdurchschnittlich häufig komplette Alben und bleiben länger innerhalb einer Veröffentlichung, statt nach wenigen Titeln wieder zur nächsten Playlist zu wechseln. Ein möglichen Grund dafür ist die Art und Weise, wie Musik innerhalb des Dienstes präsentiert wird.In den Berliner Studios produziert Apple unter anderem das Hype RadioSo verzichtet Apple Music bis heute darauf, öffentliche Abrufzahlen einzelner Songs innerhalb eines Albums anzuzeigen. Während bei anderen Plattformen oft schon auf den ersten Blick erkennbar ist, welche Titel die größten Hits einer Veröffentlichung sind, erscheinen bei Apple Music zunächst alle Songs gleichwertig. Nutzer werden dadurch weniger dazu verleitet, nur die populärsten Stücke auszuwählen.Apple orientiert sich stärker an klassischen Tonträgern. Wer ein Album öffnet, begegnet zunächst dem Gesamtwerk und nicht einer Rangliste seiner erfolgreichsten Titel. Gerade bei Konzeptalben oder Veröffentlichungen, deren Dramaturgie bewusst über mehrere Stücke hinweg aufgebaut wird, soll dieser Ansatz dazu beitragen, dass Musik häufiger in ihrer ursprünglich vorgesehenen Reihenfolge gehört wird.Der Gegenentwurf zu SpotifyDer Fokus auf Musik zeigt sich auch an anderer Stelle. Während sich viele Streaminganbieter in den vergangenen Jahren zu umfassenden Audio-Plattformen entwickelt haben, bleibt Apple Music vergleichsweise klar positioniert.Podcasts werden über eine eigene App angeboten, Hörbücher finden sich in separaten Anwendungen und auch Videoinhalte spielen innerhalb des Dienstes nur eine untergeordnete Rolle. Die Musik-App selbst konzentriert sich weitgehend auf Songs, Alben, Künstler und musikbezogene Inhalte.Spotify bleibt Platzhirsch, entfernt sich aber von seinen WurzelnDamit unterscheidet sich Apple Music inzwischen deutlich von Spotify. Der schwedische Anbieter hat sein Angebot in den vergangenen Jahren um Podcasts, Videoinhalte, Hörbücher und weitere Formate erweitert und versteht sich zunehmend als universelle Audio-Plattform. Apple verfolgt dagegen weiterhin den Ansatz eines spezialisierten Musikdienstes.Apple betreib inzwischen 7 RadiostudiosZur Strategie gehört außerdem ein wachsendes Angebot an begleitenden Inhalten. Interviews, Radiosendungen und Künstlerformate sollen Musik nicht nur als Abspielmedium präsentieren, sondern zusätzliche Hintergründe liefern.Eigene Studios betreibt Apple Music inzwischen an sieben Standorten weltweit. Neben den großen Produktionszentren in Los Angeles, New York und London gehören dazu auch Studios in Nashville, Paris, Berlin und seit Kurzem Tokio.Wartezimmer: Der Berliner Green Room in Apples StudioDas Berliner Studio existiert seit rund fünf Jahren und produziert regelmäßig lokale Formate mit Künstlern, Produzenten und Gästen aus unterschiedlichen Bereichen. Dort entstehen Interviews, Radiosendungen und Gesprächsformate, die sich mit der Entstehung von Musik, persönlichen Einflüssen und den Geschichten hinter einzelnen Veröffentlichungen beschäftigen.Die größte Schwäche von Apple MusicGanz frei von Kritik ist Apple Music dennoch nicht. Wir nehmen Apple bis heute übel, den Streamingdienst nie in eine eigenständige Anwendung ausgelagert zu haben. Stattdessen teilt er sich auf iPhone, iPad und Mac noch immer dieselbe Musik-App mit lokalen MP3-Sammlungen und alten iTunes-Altlasten.Inhaltlich erscheint die Strategie dagegen erstaunlich konsequent. Während Spotify seinen Dienst inzwischen um Podcasts, Hörbücher, Videos und weitere Inhalte erweitert hat, bleibt Apple Music in erster Linie ein Musikdienst. Und je stärker sich Spotify von seinem ursprünglichen Angebot entfernt, desto attraktiver wirkt dieser Fokus auf Musik, Künstler und Alben (auf uns).Apple Music (Kostenlos, App Store) →The post Apple Music: Menschen und Alben, statt Algorithmen und Playlists first appeared on ifun.de.