17.09.2026 13.47Online seit heute, 13.47 UhrORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher will die „Deutungshoheit über den ORF zurückgewinnen“, wie sie heute in einer Sitzung des ORF-Publikumsrats mit Blick auf von einzelnen Politikern und Boulevardzeitungen verbreiteten Halbwahrheiten bis Fehlinformationen zum öffentlich-rechtlichen Medienhaus gesagt hat.Auch stellte sie abermals klar, dass sich der ORF angesichts des von der Bundesregierung verordneten Sparpakets „in seinen Grundfesten“ verändern werde.Publikumsrat Meryn: „Selbstverteidigungsrecht“Zuvor hatte Publikumsrat Siegfried Meryn eindringlich darauf hingewiesen, dass der ORF ein „Selbstverteidigungsrecht“ habe. Wenn das Haus angegriffen werde, müsse es Auftrag sein, eine Gegendarstellung zu geben.„Irgendwann muss man sagen: ‚Jetzt ist Schluss‘“, so Meryn auch mit Verweis auf so manchen ORF-Stiftungsrat, der unternehmensschädigendes Verhalten an den Tag lege.Namen nannte er nicht. Wehre man sich nicht, „werden wir den Kampf um diesen ORF nicht gewinnen“, mahnte er – schon gar nicht, wenn man über 90 Mio. Euro innerhalb kürzester Zeit einsparen müsse.Thurnher bezeichnete das „Selbstverteidigungsrecht“ als „guten Ansatz“. Dass man die Deutungshoheit zurückgewinnen müsse, sei „völlig richtig“. Wie genau das vonstattengehen soll, blieb offen.Thurnher: Auch unbequeme Antworten auf SparzwangIntensiv befasse man sich im ORF jedenfalls damit, das Medienhaus für die kommenden Jahre fit aufzustellen. Nicht jede Antwort auf den Sparzwang werde eine bequeme sein, so Thurnher.Ziel müsse sein, den ORF zu reformieren, um ihn effizienter und zukunftsfähiger zu machen. „Heilige Kühe und gewachsene Strukturen“ dürften nicht der Maßstab sein, vielmehr, was dem Publikum diene.Mit der designierten Geschäftsführung um Clemens Pig sei man in sehr guter Abstimmung und werde bis Jahresende noch „sehr wichtige Weichen stellen“, versicherte die ORF-Chefin. Klar machte sie, dass, wer vom ORF erwarte, weiterhin verlässlicher Partner von Kultur-, Sport- und auch Filmwirtschaft zu sein, auch für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen müsse.Stiftungsrat bald wieder vollständig besetztIndes sind alle 35 Sitze im ORF-Stiftungsrat bald wieder besetzt. So entsandte der ORF-Publikumsrat den Bildungsexperten John Evers mit 23 Stimmen bei zwei Enthaltungen und keiner Gegenstimme in das oberste ORF-Gremium. Er folgt auf Meryn, der im Juni zurückgetreten ist. Auch die Bundesregierung hat laut einem „Krone“-Bericht mit Franz Medwenitsch einen Nachfolger für Gregor Schütze gefunden.Evers wurde für den Bereich Bildung von der Bundesregierung auf Basis eines Dreiervorschlags repräsentativer Einrichtungen in den Publikumsrat entsandt. Er ist Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen und Vorsitzender der Konferenz der Erwachsenenbildung.Schütze trat im August von seiner Funktion im Stiftungsrat zurück. Er war zudem stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats und Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“. Medwenitsch könnte auch diese Funktionen übernehmen.Er hatte sie beide schon in der Vergangenheit inne. Medwenitsch war lange Geschäftsführer des Musikwirtschaftsverbands IFPI und ist gegenwärtig im Beratungsgeschäft tätig.