Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) will die bestehenden Handelsbeziehungen zu China vertiefen. Vorausgesetzt, die Bedingungen sind „fair“ und die Beziehungen finden „auf Augenhöhe“ statt, sagte er vor österreichischen Journalisten in Shanghai zum Auftakt seines mehrtägigen Arbeitsbesuchs in der Volksrepublik. Die Visite des Kanzlers fällt in das 60-Jahr-Jubiläum der offiziellen Wirtschaftsbeziehungen, damals wurde das erste österreichische Handelsbüro in Peking eröffnet.Begleitet wird Stocker von rund 50 Vertreterinnen und Vertretern heimischer Unternehmen wie AVL List, Magna, Doppelmayr, voestalpine oder RHI Magnesita. Rund 650 österreichische Unternehmen sind mit etwa 900 Niederlassungen in China vertreten. Die Reise soll auch neue Geschäftschancen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ermöglichen. Laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), der am Mittwoch zur Delegation dazustößt, wird das bisher ungenutzte Exportpotenzial nach China bis 2030 auf 5,4 Mrd. Euro geschätzt.Die Handelsbilanzen zwischen Österreich bzw. Europa und China seien „nicht in Balance“, sagte Stocker weiter. Auch das werde Thema seiner Gespräche in China sein. Importen aus der Volksrepublik in Höhe von 17,5 Mrd. Euro standen im Vorjahr Exporte von lediglich 5 Mrd. Euro gegenüber. Auf europäischer Ebene beträgt das Warenhandelsdefizit über 1 Mrd. Euro pro Tag. Dass China durchaus gesprächsbereit sei, zeige sich unter anderem in der kürzlich erzielten Verständigung zur Importbegrenzung chinesischer Hybridautos in die EU.Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping und Premier Li Qiang am FreitagDen politischen Höhepunkt von Stockers Reise bilden die Gespräche mit Staatspräsident Xi Jinping und Premierminister Li Qiang, die für Freitag in Peking angesetzt sind. Auf die Frage, ob er dabei auch Chinas Rolle als Unterstützer Russlands im Ukraine-Krieg thematisieren werde, betonte der Kanzler, dass er nicht hier sei, „um China zu belehren“, sondern um die europäischen und österreichischen Interessen zu vertreten.Zum Auftakt der mehrtägigen Chinareise stand für den Kanzler am Dienstag ein Besuch des Yu Yuan Gartens im Herzen von Shanghai am Programm. Am Abend unternahm er gemeinsam mit Teilen der Wirtschaftsdelegation eine Bootsfahrt auf dem Huangpu-Fluss mit Blick auf das nächtlich beleuchtete Shanghai.In der bedeutendsten Industriestadt Chinas stehen unter anderem noch ein Arbeitsgespräch mit dem Bürgermeister auf der Agenda sowie die Teilnahme an der China International Import Expo, bevor es am Donnerstag weiter in die Hauptstadt geht. Am Freitag stehen die politischen Gespräche im Fokus. Geplant sind zudem Absichtserklärungen (MoU) etwa zur Beschleunigung von Verfahren für investierende Unternehmen. Am Samstag wird die Delegation wieder zurück in Wien erwartet.55 Jahre diplomatische, 60 Jahre offizielle WirtschaftsbeziehungenÖsterreich und die Ein-Parteien-Diktatur China feiern heuer 55 Jahre diplomatische Beziehungen und 60 Jahre offizielle Wirtschaftsbeziehungen. Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) hat China heuer aus diesem Anlass im Juni besucht. Im September war Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) auf Einladung des Nationalen Volkskongresses in der chinesischen Hauptstadt.