Anlässlich des Equal Pay Days am 5. November sprechen sich SPÖ, ÖVP und Grüne für die Umsetzung der Lohntransparenz-Richtlinie der EU aus. Innerhalb der Koalition gibt es dafür weiter keine Einigung. Die Neos plädieren für den Ausbau der Kinderbetreuung, die FPÖ für mehr Wahlfreiheit. Der Equal Pay Day markiert jenen Tag, an dem Männer im Schnitt das Jahresgehalt von Frauen verdient haben. Frauen arbeiten demnach symbolisch das restliche Jahr - also 57 Tage - gratis.Der Equal Pay Day macht heuer auf einen Lohnunterschied von 15,5 Prozent aufmerksam. Lohndiskriminierung ist für fast alle Frauen gegenwärtig, schloss das gewerkschaftsnahe Momentum Institut aus einer aktuellen Analyse. So treffen schon unter-30-jährige vollzeitarbeitende Frauen auf einen Gender Pay Gap von sieben Prozent, rechnete das Institut auf Basis des Mikrozensus 2024. Bei den 40- bis 49-Jährigen beträgt die Lücke dann schon 16, bei den 50- bis 59-Jährigen 18 Prozent - wobei hier auch frühere Karenzen und Teilzeitarbeit eine Rolle spielen.Genauso ist das bei vollzeitarbeitenden Müttern der Fall - sie erhalten im Schnitt 18,6 Prozent weniger Gehalt als Väter in Vollzeit. Aber auch vollzeitarbeitende Frauen ohne Kinder verdienen 10,1 Prozent weniger als Männer ohne Kinder. Ursächlich dafür könnten u. a. die Berufs- und Branchenwahl, seltenere Beförderungen und seltenerer Zugang zu Führungspositionen für Frauen sein, teilte das Institut auf Anfrage mit. Eine hohe Lohnlücke gibt es aber auch bei Jobs auf der oberen Ebene: weibliche Führungskräfte erhalten 23 Prozent weniger Gehalt als männliche. Frauen und Männer würden innerhalb der Führungsebene unterschiedliche Positionen bekleiden, höchstbezahlte Spitzenpositionen seien weiterhin stark männlich dominiert. Wie viele andere Organisationen plädierte auch Momentum für Lohntransparenz.SPÖ und ÖVP wollen Richtlinie umsetzenDie SPÖ-Frauen forderten ÖVP und Neos auf, das Regierungsprogramm und damit die Lohntransparenz-Richtlinie umzusetzen und ihre „Blockade“ aufzugeben. Bereits im Juni hatte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. „Wer fair bezahlt, braucht sich vor Transparenz nicht fürchten“, stellte SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Ruth Manninger fest.Auch die ÖVP-Frauen gaben an, eine Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie zu unterstützen, wenn diese schrittweise und praxistauglich passiert. Die politische Abstimmung sei in Arbeit, der Ball liege beim Sozialministerium. „Transparenz soll ungerechtfertigte Einkommensunterschiede sichtbar machen und helfen, Benachteiligungen zu beseitigen“, meinte die designierte Bundesleiterin der ÖVP-Frauen, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.Die Frauensprecherin der Neos, Henrike Brandstötter, betonte, sich für den Ausbau der Kinderbetreuung und Finanzbildung einzusetzen. „Frauen sollen selbst entscheiden können, ob sie Vollzeit oder Teilzeit arbeiten wollen - und nicht durch fehlende Rahmenbedingungen in eine bestimmte Rolle gedrängt werden“, unterstrich sie. Gleichstellung müsse auch auf dem Gehaltszettel ankommen, so Brandstötter. In der Vergangenheit hatten die Neos für eine Überarbeitung der Lohntransparenz-Richtlinie plädiert, um ein Mehr an Bürokratie zu vermeiden.Grüne kritisieren Regierung, FPÖ für Wahlfreiheit„Frauen sind keine Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse“, sagt Grünen-Frauensprecherin Meri Disoski. Ihre Partei sieht das Vorgehen der Regierung kritisch, sie blockiere die Lohntransparenz. „Wer seine Beschäftigten fair bezahlt, hat keinen Grund, sich vor Lohntransparenz zu fürchten“, so Disoski. Das Argument, dass die Richtlinie viel Bürokratie mit sich bringen würde, empfindet sie als absurd.Dass Frauen rund 57 Tage im Jahr unbezahlt arbeiten, sei nicht hinnehmbar, meinte auch FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker. Sie betonte, Frauen dürften weder in Vollzeit gedrängt, noch für ihre Entscheidung zugunsten der Familie finanziell bestraft werden. Sie forderte höhere Einkommen in klassischen Frauenberufen, wie beispielsweise in Pflege und Handel, sowie eine bessere Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten für die Pension. Lohntransparenz dürfe keine neuen „Bürokratiemonster“ schaffen.Frauenring schrieb offenen BriefFür Lohntransparenz plädierten auch der Frauenring und der Gewerkschaftsbund (ÖGB). Ersterer forderte in einem offenen Brief an die Regierungsmitglieder die Vorlage eines entsprechenden Begutachtungsentwurfs, teilte er mit. „Es kann nicht sein, dass Arbeitgebervertreter die Richtlinie blockieren, nur weil sie sie nicht wollen“, sagte indes die geschäftsführende ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Sandra Steiner. Die Wirtschaftskammer hatte während der Sozialpartner-Verhandlungen zur Lohntransparenz immer wieder vor mehr Bürokratie gewarnt.Die Industriellenvereinigung forderte eine Überarbeitung der Lohntransparenzrichtlinie auf EU-Ebene und verwies auf die „geschlechtsneutralen“ Kollektivverträge der Industrie. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei hier seit Jahrzehnten gesetzlich verankert. Wer die Lohnlücke schließen will, soll also bei Teilzeit, bei der Berufswahl und bei fehlender Kinderbetreuung ansetzen, so Generalsekretär Christoph Neumayer.