Lankeleisi KETT-8 ausprobiert: Viel Komfort und erstaunlich viel Fahrspaß

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Mit dem Lankeleisi KETT-8 bietet der Hersteller ein E-Bike an, das sich nicht so recht in eine klassische Kategorie pressen lassen möchte. Tiefer Einstieg und Gepäckträger erinnern an ein Citybike, Vollfederung, breite 26-Zoll-Reifen und die massive Bauweise eher an ein SUV auf zwei Rädern. Für mich kam noch eine Besonderheit hinzu: Das KETT-8 war mein erstes E-Bike überhaupt – und hat dafür gesorgt, dass ich das Fahrradfahren nach längerer Abstinenz wieder lieben gelernt habe.Lankeleisi ist auf bei uns inzwischen kein Unbekannter mehr. Im Frühjahr hatten wir bereits das Lankeleisi GOLF-X ausführlich ausprobiert. Während dessen Kombination aus Fatbike und Faltrad teilweise fast an ein kleines Moped erinnerte, fühlt sich das KETT-8 trotz ähnlich kräftigem Antrieb für mich deutlich mehr nach Fahrrad an.Zwischen Citybike und Fahrrad-SUVUnauffällig ist das KETT-8 dabei nicht. Die 26 × 3,0 Zoll großen Kenda-Reifen, der massive Aluminiumrahmen und die Vollfederung verleihen dem Rad einen beinahe bulligen Auftritt. Rund 35 Kilogramm bringt es auf die Waage. Wer sein Fahrrad täglich in den dritten Stock tragen muss, kann an dieser Stelle eigentlich schon aufhören zu lesen.In Bewegung relativiert sich das Gewicht dagegen schnell. Das Rad liegt satt und ruhig auf der Straße und vermittelt gerade einem E-Bike-Neuling viel Sicherheit. Hinzu kommt der tiefe Einstieg, der das Auf- und Absteigen angenehm unkompliziert macht.Die Verarbeitung hinterließ im Test einen guten Eindruck. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Shimano-Schaltung mit acht Gängen, hydraulische Vierkolben-Scheibenbremsen von Zoom, Schutzbleche, Gepäckträger sowie eine vollständige Beleuchtung mit Bremslicht und Blinkern.Der E-Bike-Einstieg fällt erstaunlich leichtDas spannendste Erlebnis war für mich allerdings weniger ein einzelnes Ausstattungsmerkmal als der Umstieg selbst. Ich bin bislang kein E-Bike-Fahrer gewesen und hatte Fahrräder im Alltag zuletzt eher selten genutzt. Das KETT-8 hat das überraschend schnell geändert.Steigungen, Gegenwind und längere Strecken verlieren einen großen Teil ihres Schreckens. Gleichzeitig bleibt – insbesondere mit dem Drehmomentsensor – ausreichend Fahrradgefühl erhalten. Die Unterstützung richtet sich nach dem Druck auf die Pedale und fühlt sich dadurch schnell selbstverständlich an. Statt sich fahren zu lassen, fährt man weiterhin selbst, bekommt aber genau die Hilfe, die den Unterschied zwischen „nehme ich heute das Rad?“ und „ich fahre doch schnell mit dem Auto“ ausmachen kann.85 Nm und zwei Arten der UnterstützungDer Hinterradmotor besitzt eine Nenndauerleistung von 250 Watt und liefert laut Hersteller bis zu 85 Nm Drehmoment. Im öffentlichen Straßenverkehr endet die Unterstützung in der vorgesehenen Konfiguration bei 25 km/h. Das reicht völlig aus, denn insbesondere beim Anfahren und an Steigungen fühlt sich das KETT-8 schon ausgesprochen kräftig an.Spannender ist die Kombination aus Drehmoment- und Kadenzsensor. Während der Drehmomentsensor die Unterstützung abhängig vom eigenen Krafteinsatz dosiert, wird es mit dem Kadenzsensor deutlich gemütlicher: Hier genügt im Wesentlichen die Pedalbewegung, damit der Motor unterstützt. Welche Variante besser gefällt, ist Geschmackssache. Für mich passt der Drehmomentmodus besser zum eigentlichen Fahrradgefühl.Über das gut ablesbare 4-Zoll-Farbdisplay stehen fünf Unterstützungsstufen zur Wahl. Geschwindigkeit, Akkustand, Strecke und weitere Fahrinformationen sind auch während der Fahrt schnell erfassbar.Komfort ist die große StärkeSeinen vielleicht größten Vorteil spielt das KETT-8 auf schlechten Wegen aus. Vorne arbeitet eine Federgabel mit 120 Millimetern Federweg, hinten sitzt ebenfalls ein Dämpfer. Zusammen mit den breiten Reifen werden Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster, Feldwege und kleinere Kanten deutlich entschärft.Das passt gut zum Charakter des Fahrrads. Das KETT-8 animiert nicht unbedingt zum sportlichen Kurvenräubern, sondern zum entspannten Kilometerfressen. Auch längere Ausfahrten fühlen sich entsprechend angenehm an. Gerade als Wiedereinsteiger habe ich schnell gemerkt, wie viel Spaß es machen kann, einfach ohne konkretes Ziel noch ein paar Kilometer weiterzufahren.Blinker top, Hupe etwas zu präsentSehr gut gefallen haben mir die integrierten Blinker. Diese sitzen hinten gut sichtbar und machen Richtungswechsel insbesondere bei Dämmerung und im Straßenverkehr eindeutiger. Das ersetzt den Schulterblick natürlich nicht, sorgt im Alltag aber für ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit. Auch ein Bremslicht ist integriert.Weniger glücklich ist die Anordnung einiger Bedienelemente am Lenker. Wer die Unterstützungsstufe während der Fahrt ändern möchte, landet mit dem Finger erstaunlich schnell auf der elektrischen Hupe. Das ist uns nicht nur einmal passiert und sorgt zumindest zuverlässig dafür, dass alle Umstehenden wissen, dass man gerade eine andere Unterstützungsstufe wählen wollte.Ein rechtlicher Hinweis gehört an dieser Stelle allerdings dazu: Nach § 64a StVZO müssen Fahrräder mit einer helltönenden Glocke ausgestattet sein, andere Schallzeicheneinrichtungen sind dagegen nicht zulässig. Die ebenfalls vorhandene klassische Fahrradklingel bleibt für den Straßenverkehr damit die relevante Lösung.Gepäckträger mit kleiner SparmaßnahmeBei der Alltagsausstattung ist eigentlich fast alles vorhanden. Gerade deshalb fallen Kleinigkeiten auf. Der serienmäßige Gepäckträger verzichtet beispielsweise auf den klassischen Federbügel, mit dem sich Jacke, Tasche oder kleinere Gegenstände schnell festklemmen lassen. Wer regelmäßig Gepäck transportiert, wird daher wohl ohnehin zu Fahrradtaschen oder zusätzlichem Zubehör greifen.Auch ein Flaschenhalter gehört nicht zum Lieferumfang. Bei einem Rad, das mit seiner großen Batterie und dem hohen Komfort ausdrücklich auch für längere Strecken interessant ist, hätten wir diesen gerne serienmäßig gesehen.Hier fehlt uns das iPhoneUnd dann wäre da noch ein Punkt, der auffällt: Das KETT-8 besitzt keine App-Anbindung. Alle Einstellungen und Fahrinformationen bleiben auf dem Display am Lenker.Notwendig ist eine Smartphone-App für ein Fahrrad natürlich nicht. Dass sie durchaus einen Mehrwert bieten kann, zeigen allerdings andere E-Bikes. Bei Fiido hatten wir uns beispielsweise bereits die Verbindung aus E-Bike und iPhone-App angesehen. Fahrstatistiken, Akkustand, Einstellungen, Navigation oder eine elektronische Sperre wären auch beim KETT-8 nette Ergänzungen gewesen.Gerade weil das große Farbdisplay und die elektrische Ausstattung ohnehin einen vergleichsweise modernen Eindruck vermitteln, wirkt der Verzicht auf Bluetooth und App ein wenig wie eine verpasste Gelegenheit.960 Wh sorgen für reichlich AusdauerBeim Akku lässt sich Lankeleisi dagegen nicht lumpen. Im Unterrohr steckt ein Samsung-Akku mit 48 Volt und 20 Ah, entsprechend 960 Wh. Der Hersteller nennt je nach Unterstützungsstufe bis zu 150 Kilometer Reichweite. Dieser Maximalwert gilt allerdings unter Idealbedingungen und in der sparsamsten Unterstützungsstufe.Interessanter sind die vom Hersteller ebenfalls veröffentlichten Werte für die stärkeren Modi: Für die höchste Unterstützungsstufe werden rund 70 Kilometer angegeben, für die mittlere Stufe etwa 100 Kilometer. Wie immer hängen die tatsächlichen Werte stark von Fahrergewicht, Temperatur, Strecke, Steigungen und der eigenen Tretleistung ab.Für den Alltag ist der Akku jedenfalls angenehm großzügig dimensioniert. Man hat nicht ständig das Gefühl, schon nach der nächsten Fahrt wieder zur Steckdose zu müssen. Der Akku lässt sich zum Laden aus dem Rahmen entnehmen.Mehr Tempo ist möglich – gehört aber nicht auf die StraßeWie schon beim GOLF-X bietet Lankeleisi auch beim KETT-8 zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten. Der Hersteller nennt auf seiner Produktseite Geschwindigkeiten von bis zu 48 km/h nach einer Entsperrung und legt einen Daumengashebel bei.Für den deutschen Straßenverkehr ist das nicht gedacht. Als Fahrrad gilt ein Pedelec hier nur dann, wenn der Motor eine Nenndauerleistung von höchstens 250 Watt besitzt und die Tretunterstützung spätestens bei 25 km/h endet. Der Hersteller weist selbst darauf hin, dass der Gashebel für Privatgelände vorgesehen ist. Wir haben unseren Alltagstest daher auf die reguläre Pedelec-Konfiguration beschränkt.Ein schweres Rad, das Lust aufs Radfahren machtNach mehreren Wochen mit dem KETT-8 bleibt bei mir vor allem eine Erkenntnis hängen: E-Bikes können Menschen wieder aufs Fahrrad bringen. Was vorher schnell als lästige oder anstrengende Strecke erschien, wird plötzlich zu einer kleinen Ausfahrt, die man freiwillig noch etwas verlängert.Besonders cool ist, dass einmal Reflektoren in den Speichen sind und auch im Rad selbst ein reflektierender Rand integriert ist.Das KETT-8 trägt dazu mit seinem kräftigen Antrieb, der sehr komfortablen Federung und seiner stabilen Straßenlage bei. Die Kehrseite ist das enorme Gewicht. Man möchte dieses Fahrrad möglichst auf seinen eigenen Rädern bewegen und nicht tragen müssen.Bei den Details gibt es ebenfalls Luft nach oben. Ein Federbügel am Gepäckträger und ein serienmäßiger Flaschenhalter wären praktisch, die Tastenanordnung könnte besser sein und eine iPhone-App würde hervorragend zum ansonsten modernen Gesamtpaket passen. Die Blinker möchte ich dagegen schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen.Insgesamt hat mir das KETT-8 meinen Einstieg in die E-Bike-Welt ausgesprochen leicht gemacht. Es ist kein dezentes Leichtgewicht und auch kein sportliches Mountainbike. Wer aber ein komfortables, kräftiges und vielseitiges E-Bike für Alltag, längere Touren und schlechte Wege sucht, bekommt ein ausgesprochen interessantes Gesamtpaket.Das Lankeleisi KETT-8 wird direkt vom Hersteller angeboten. Aktuell liegt der Aktionspreis bei 2.099 Euro.★ ifun.de bei Google bevorzugen ★Der Beitrag Lankeleisi KETT-8 ausprobiert: Viel Komfort und erstaunlich viel Fahrspaß wurde zuerst auf ifun.de veröffentlicht.