08.09.2026 10.17Online seit heute, 10.17 UhrLaut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ hat Regierungschef Benjamin Netanjahu wenige Tage vor dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eine eindeutige und eindringliche Warnung ignoriert. Diese kam demnach vom Emir der Vereinigten Emirate, Mohammad Ben Said. Er habe Netanjahu in einem mehr als 40-minütigen Gespräch nachdrücklich gewarnt, Hamas-Chef Jahja Sinwar plane „ein bedeutendes Ereignis“.Netanjahu: Totale LügeDen Recherchen – sie sind eine Vorabveröffentlichung aus dem Buch „Geiseln: 843 Tage Entbehrung“, das dieser Tage erscheint – zufolge, informierte Netanjahu weder die Armee noch die Geheimdienste über das ungewöhnliche Telefonat. Netanjahu betonte gegenüber der Zeitung laut deren Angaben, die Vorwürfe seien „eine totale Lüge“.Israel befindet sich bereits im Wahlkampf für die Knesset-Wahl am 27. Oktober. Die Veröffentlichung kommt für Netanjahu jedenfalls zur Unzeit und wird die Debatte über seine Rolle und Verantwortung erneut ins Zentrum rücken.Gespräche über WaffenruheIm Hintergrund seien seit Monaten fast direkte Gespräche zwischen der israelischen Regierung und der Hamas in Gaza über eine längerfristige Verständigung gelaufen. Dabei sollte es wirtschaftliche Erleichterungen für den Gazastreifen geben, geplant war etwa die Versorgung mit Gas aus einem Gasfeld vor der Küste, und eine Waffenruhe. Zuletzt habe es sogar eine Grundsatzeinigung über die Freilassung palästinensischer Häftlinge für die Freilassung zweier Israelis in Gewalt der Hamas gegeben.Entscheidung verzögertNetanjahu habe eine Entscheidung aber immer wieder hinausgezögert. In der Folge habe Sinwar gedrängt und den palästinensischen Verhandlern (einem hochrangigen Hamas-Vertreter und einem Fatah-Vertreter, der als Überbringer der Botschaften zwischen den beiden Seiten fungierte) aufgetragen, der israelischen Seite zu sagen, er bereite ein „Erdbeben“ vor.Der Fatah-Vertreter habe sich darüber mit einem palästinensischen Freund in den Emiraten ausgetauscht, der dem Emir nahestand und diesen informierte. Erst nach einer zweiten ähnlichen Drohung Sinwars habe der Emir Netanjahu angerufen. Netanjahu habe ihm danach gesagt, dass Israel Gaza unter Kontrolle habe und eher die Lage im Westjordanland gefährlich sei. Der Emir hatte laut den – nicht namentlich – zitierten Quellen nicht damit gerechnet, dass Netanjahu Armee und Geheimdienste nicht über seinen Anruf informieren würde.Idee von PräventivschlagBereits davor hatte es Warnungen und Hinweise gegeben, die zu Beratungen der Armee- und Geheimdienstspitze mit Netanjahu führten. Dabei wurden aber keine Entscheidungen getroffen. Ein Vorschlag damals war ein Präventivschlag, den Netanjahu aber ablehnte.Netanjahu hatte jahrelang eine Politik des „Divide et Impera“ gegenüber den Palästinensern geübt und die Hamas auf Kosten der Fatah gestärkt – und Kuwait etwa erlaubt, die Hamas mit Geld zu versorgen. Das erwies sich – jedenfalls im Nachhinein – am 7. Oktober als einer der größten Irrtümer in der Geschichte Israels.