24.06.2026 07.10Online seit heute, 7.10 UhrDer Untersuchungsausschuss zur Causa Christian Pilnacek geht heute und morgen im Parlament weiter. Dieses Mal wenden sich die Abgeordneten hauptsächlich den gerichtsmedizinischen Erkenntnissen zu, derer es zahlreiche gibt.Zunächst ist aber als erste Auskunftsperson noch Oberstaatsanwalt Johann Fuchs von der Staatsanwaltschaft Wien an der Reihe, die die Oberaufsicht über die Ermittlungen der Kremser Behörde zu Beginn der Untersuchungen hatte. Fuchs war ein enger Verbündeter Pilnaceks und ist bereits aus früheren U-Ausschüssen („Ibiza“, ÖVP-Korruptionsuntersuchungsausschuss) bekannt.Oberstaatsanwalt gab Fall nach EisenstadtDie Abgeordneten wollen Fuchs dieses Mal dazu befragen, inwieweit er tatsächlich in die Ermittlungen zu Pilnaceks Tod involviert war. Die Oberstaatsanwaltschaft hatte das Verfahren zum Todesfall der Staatsanwaltschaft Krems entzogen und an Eisenstadt übertragen. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt stellte kürzlich fest, dass keine weiteren Ermittlungen nötig seien.Fuchs sei durch sein Naheverhältnis zu Pilnacek befangen gewesen, so einige Abgeordnete zu ORF.at. Daher wolle man seine Rolle in der Sache genauer beleuchten – genau wie die Frage, wieso der Fall nicht gleich an einen ganz anderen Bezirkssprengel verwiesen wurde.NEOS mit BoykottNach Fuchs sind die Mediziner an der Reihe. Den Auftakt macht Stefano Longato. Er ist einer von zwei externen Gutachtern, die nicht von den offiziellen Behörden, sondern vom Publizisten Peter Pilz beauftragt worden waren. Morgen ist zudem der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos geladen. Beide untersuchten den Fall, allerdings ohne Zugang etwa zu Fotos des Leichnams. Eindeutige Schlüsse zur Todesursache konnten beide daher nicht ziehen.Die FPÖ könnte an den beiden Ausschusstagen womöglich Leichenfotos mit den Medizinern besprechen wollen, das würde dann aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem isolierten Raum des Parlaments passieren.NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke kündigte einen Boykott an: Man werde den beiden externen Gerichtsmedizinern keine Fragen stellen. Ihre Ladung würde nur bereits widerlegte Spekulationen und Verschwörungserzählungen befeuern, so NEOS. Der U-Ausschuss sei „kein True-Crime-Podcast“.SPÖ, Grüne schließen sich nicht anDie ÖVP erwartete von der Befragung keinen Erkenntnisgewinn und kritisierte die FPÖ für die Ladung von Longato und Tsokos.SPÖ und Grüne kündigten gegenüber ORF.at an, die Mediziner sehr wohl befragen zu wollen. So könne man die beiden Gerichtsmediziner etwa dazu befragen, was sie sich von der Polizei an einem Leichenauffindungsort an Maßnahmen erwarten (Stichwort: Temperaturmessung).Erst als letzte Auskunftsperson der Woche wird schließlich der offiziell beauftragte Wiener Gerichtsmediziner Christian Matzenauer befragt. Der Sachverständige handelte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Krems und konnte in seinem Gutachten auf Grundlage der von ihm durchgeführten Obduktion und eingeholter chemischer wie toxikologischer Analysen keine Anhaltspunkte für Fremdeinwirkung beim Todesfall Pilnacek anführen. Allerdings gab es später ein ergänzendes Gutachten Matzenauers, zu dem es Fragen geben wird.