07.10.2026 19.09Online seit heute, 19.09 UhrDie Französin Gisele Pelicot möchte ihren Ex-Mann und Peiniger „unbedingt irgendwann“ treffen. „Ich denke, ich werde vielleicht keine Erklärungen oder Antworten bekommen,“, sagte die 73-Jährige heute auf der Frankfurter Buchmesse. Aber das gehöre zu ihrem Weg. Sie habe ihn seit Jahren nicht alleine gesprochen.Pelicot war von ihrem damaligen Mann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde dieser zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren.Zehn Jahre lang sei sie nahezu bewusstlos gewesen. „Ich habe wie in Vollnarkose gelebt über viele Stunden, und ich musste mir dieses Leben zurückerobern“, sagte sie nun in Frankfurt.Die Liebe habe sie nicht verlassen und sie könne auch wieder vertrauen. Sie hätte nicht gedacht, dass sie sich in ihrem Alter noch einmal verlieben könne, aber „ich habe einen wunderbaren Mann kennengelernt“. Und: „Man muss sich wirklich auch selbst das Recht verordnen, dass man lieben darf, denn das ist das Schönste im Leben. Ich bin aber auch auf der Hut.“Pelicot wurde durch ihr entschiedenes Auftreten und ihre Entscheidung, den Prozess nicht hinter verschlossenen Türen zu führen, in Frankreich zum feministischen Vorbild. Im Februar erschienen ihre Memoiren „Eine Hymne an das Leben“.