07.10.2026 16.37Online seit heute, 16.37 UhrDer Untersuchungsausschuss zur Causa Christian Pilnacek hat heute einen Oberstaatsanwalt der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) befragt. Er zeichnete für eine erst kürzlich eingelangte Auswertung der Daten des verstorbenen ehemaligen Justizsektionschefs, u. a. von seinem Laptop, verantwortlich.In der Befragung berichtete er von einer Nähe Pilnaceks zur ÖVP, so soll sich dieser etwa bei Strafverfahren gegen ehemalige ÖVP-Politiker eingebracht haben.Anzeichen für Pilnaceks Involvierung in die Verteidigung gebe es u. a. bei Strafverfahren gegen den ehemaligen Kanzler Sebastian Kurz, den ehemaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka und den ehemaligen Finanzminister Gernot Blümel.Interventionen normalerweise „nicht offen“Auch sei eine Einbindung in die Arbeit der ÖVP als Partei sichtbar. Die Auskunftsperson sprach etwa von Fragelisten für U-Ausschüsse und parlamentarischen Anfragen, an denen Pilnacek mitgearbeitet habe. Noch vor seiner Suspendierung habe der Sektionschef den Entwurf einer Beschwerde Blümels besessen, so der Befragte, es handle sich um „einen der wesentlichsten Punkte“ im Bericht.Konkrete Interventionen seien nicht gefunden worden. Diese hätten es aber auch „so an sich, dass sie nicht offen erfolgen“, sagte der Befragte – besonders dann, wenn sie unsachliche Motive haben. Von vornherein sei es nicht erwartbar gewesen, dass jemand Pilnacek in einer E-Mail geschrieben habe, er solle ein Verfahren einstellen. Bei der hier gegebenen Nähe seien Interventionen allerdings wahrscheinlicher, als wenn es keinen Kontakt geben würde.Ferner bestätigte der Jurist den langen Weg des Laptops. Darauf seien auch Daten gefunden worden, die von fremden Personen nach dem Tod Pilnaceks stammen. Manipulationen originaler Daten auf dem Gerät seien aber nicht gefunden worden, meinte die Auskunftsperson.„Helfer für die ÖVP“Der FPÖ-Abgeordnete Michael Schilchegger sprach vor Befragungsstart von einer engen Vernetzung zwischen Pilnacek und der ÖVP-Spitze, habe der Spitzenbeamte doch in Strafverfahren gegen Personen aus der ÖVP aufseiten der Verteidiger agiert.Ähnlich sahen das fast alle anderen Parteien. Pilnacek sei „höchstrangiger Justizbeamter“ und gleichzeitig „Helfer für die ÖVP“ gewesen, so die Fraktionsführerin der Grünen, Nina Tomaselli. „Was war das Gegengeschäft?“, fragte sich NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke. Geld sei nicht geflossen, kostenlose Beratungen seien aber „eher unüblich“.SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer erkannte ein Netzwerk von hohen Beamten, dem auch der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien, Johann Fuchs, angehöre. Dieser müsse sich erklären, sagte Krainer.Hanger sieht „Verschwörungserzählungen“Für ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger bilden weiterhin „Verschwörungserzählungen“ die Basis des U-Ausschusses. Auch er hat einige Fragen zum Auswertungsbericht. Für ihn steht allerdings das Thema Befangenheit im Zentrum, schließlich habe mit der WKStA die Behörde den Bericht erstellt, „die jahrelang in Konflikt mit Pilnacek gestanden ist“.Kabinettschefin zu Schulungen befragtDer Befragungstag wurde mit der Kabinettschefin von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) fortgesetzt. Thema waren etwa die Schulungen des Innenministeriums für Auskunftspersonen im U-Ausschuss. Die Abgeordneten – abseits der ÖVP – hatten diese immer wieder kritisiert. Dem Innenminister sei es von Anfang an wichtig gewesen, dass es die bestmögliche Beratung gibt, sagte dessen Kabinettschefin dazu. Es handle sich um ein Angebot und keine Verpflichtung.Der U-Ausschuss neigt sich dem Ende zu. Über eine Verlängerung denkt allerdings die FPÖ nach. Bis zum 22. Oktober solle darüber entschieden werden.