​ Ein Kind kostet bis zur Volljährigkeit schnell 150.000 bis 300.000 € oder mehr. Für ähnliche Summen bei einem Immobilienkauf verlangt der Staat Notare, Identitätsprüfungen und jede Menge Dokumentation. Bei einer der größten finanziellen und rechtlichen Verpflichtungen des Lebens wird die Vaterschaft dagegen oft einfach vermutet. In Deutschland wird bei verheirateten Paaren automatisch der Ehemann als rechtlicher Vater eingetragen. Selbst dann, wenn die Eheleute getrennt leben oder es berechtigte Zweifel an der biologischen Vaterschaft gibt. Dabei geht es nicht nur um Geld. Wenn Jahre oder Jahrzehnte später herauskommt, dass der rechtliche Vater nicht der biologische Vater ist, kann das für alle Beteiligten verheerend sein. Für den Mann, der sein Leben und Vermögen auf einer falschen Grundlage aufgebaut hat. Für den biologischen Vater, dem die Beziehung zu seinem Kind genommen wurde. Und vor allem für das Kind, dessen Identität, Familiengeschichte und medizinische Herkunft plötzlich infrage stehen. Ein standardmäßiger Test würde niemanden unter Generalverdacht stellen, weil er für alle gilt. Er würde lediglich sicherstellen, dass eine lebenslange rechtliche, finanzielle und familiäre Beziehung auf Fakten statt auf Vermutungen basiert. Bei Geschäften über ein paar Hunderttausend Euro verlangt der Staat maximale Rechtssicherheit. Bei einer Verpflichtung, die emotional und finanziell oft noch weitreichender ist, offenbar nicht. Das ergibt für mich keinen Sinn.   submitted by   /u/Radrouch   to   r/Unbeliebtemeinung [link]   [comments]