Mit der sprachlichen Verständigung hapert es manchmal ein wenig, der regelmäßigen Partie Rummikub mit ihrer Betreuerin steht das aber nicht im Wege. „Leider verliere ich meistens, weil ich nicht mehr so gut sehe“, erzählt Elisabeth B. aus Wien. Aufgrund einer altersbedingten Gehbehinderung nimmt die 94-jährige seit vier Jahren eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch, die ihr über die Hilfsorganisation Malteser Care vermittelt wurde.Das heißt: Zwei Betreuerinnen aus Rumänien, die sich im Monatsrhythmus abwechseln, leben mit der ehemaligen Volksschuldirektorin in ihrer Wohnung. Aktuell ist es Geta F., die für Frau B. kocht, sich um den Haushalt kümmert, ihr bei der Körperpflege hilft und mit ihr spazieren geht. „Am Anfang war das schon eine große Umstellung, weil ich nach dem Tod meines Mannes im Jahr 2000 gewohnt war, alleine zu leben.“ Mittlerweile kommt man aber sehr gut miteinander aus.Wie Frau B. nehmen aktuell rund 30.000 Menschen in Österreich eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. Die Tendenz ist angesichts der wachsenden Zahl älterer Menschen stark steigend.Nicht immer funktioniert die Betreuung so problemlos wie bei der Wiener Pensionistin – immer wieder werden mitunter drastische Qualitätsmängel bekannt. Das Problem: Es gibt zwar das Österreichische Qualitätszertifikat (ÖQZ 24) für 24-Stunden-Betreuung, in dem Standards wie Transparenz bei Leistungen und Kosten, regelmäßige Qualitätssicherung durch eine diplomierte Pflegekraft oder rasche Ersatzlösungen beim Ausfall einer Betreuerin festgelegt sind. Allerdings ist die Teilnahme freiwillig, weshalb derzeit nur maximal 40 Prozent der Klienten von Agenturen mit ÖQZ betreut werden. Im Regierungsprogramm wurde zwar die Etablierung bundesweit einheitlicher und verbindlicher Qualitätskriterien vereinbart, passiert ist bis dato aber noch nichts. Man arbeite daran, heißt es im Gesundheitsministerium.„Dabei wäre eine Reform enorm wichtig, schließlich geht es um Leib und Leben der betreuten Menschen“, sagt Helmut Lutz, Geschäftsführer von Malteser Care.Zur Qualitätssicherung gehört auch, dass regelmäßig überprüft wird, ob das mitunter nicht friktionsfreie Zusammenspiel von Klient und Betreuerin funktioniert. Im Fall von Frau B. ist dafür Martina Vargova, Gebietsbetreuerin bei Malteser Care zuständig. Sie schaltet sich bereits beim Erstkontakt des jeweiligen Kunden ein und versucht, die für ihn passende Betreuungsperson zu finden. Danach ist sie im Monatsrhythmus vor Ort zu Besuch. „Es geht darum, dass weder die Betreuerin noch die Kundin auf sich allein gestellt sind, wenn ein Problem auftaucht.“Wenn diese Probleme medizinische Belange betreffen, schaltet sich mit Andrea Chimbur eine diplomierte Pflegekraft in das Case Management mit ein. „Das ist zum Beispiel notwendig, wenn der Klient nach einem Spitalsaufenthalt nach Hause kommt und sich seine medikamentöse Therapie verändert hat. Dann schulen wir die Betreuerinnen neu ein“, schildert sie.Kein freies Gewerbe mehrGeht es nach Lutz, sollte die diplomierte Pflege künftig überhaupt einen größeren Stellenwert bekommen, um die Qualität abzusichern. „Die Personenbetreuung müsste von einem freien Gewerbe zu einem gebundenen werden: Die Geschäftsführung oder Inhabung einer Betreuungsorganisation soll ausschließlich in den Händen von Fachpflegepersonen liegen. Ich würde ja auch meine Heizungstherme nicht von einer Firma warten lassen, die kein konzessionierter Installateur-Betrieb ist.“Höhere Qualitätsstandards bedeuten freilich auch höhere Kosten. Hier harrt weiterhin eine zentrale Forderung der Hilfsorganisationen der Umsetzung: Eine Valorisierung der Förderung der 24-Stunden-Betreuung, die aktuell bei maximal 800 Euro pro Monat liegt. Gleichzeitig müsse auch die Einkommensobergrenze von derzeit 2.500 Euro netto auf 4.000 Euro angehoben werden. „Die bestehende Förderung deckt die Kosten nicht annähernd ab. Wir reden von immerhin 3.200 bis 3.500 Euro, die eine Familie stemmen muss, damit der Angehörige in seinen vier Wänden betreut werden kann.“Umgekehrt gebe es für die vergleichsweise teurere Betreuung in einem Pflegewohnheim, für die es de facto eine 100-prozentige Förderung gibt. Lutz: „Das ist die große Ungerechtigkeit im System.“