Autorin Marie-Therese Kerschbaumer ist 90

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31.08.2026 06.23Online seit heute, 6.23 UhrDie östöerreöichische Schriftstellerin Marie-Therese Kerschbaumer feiert heute ihren 90. Geburtstag. Seit Jahrzehnten gehört sie zu den wichtigen Stimmen der heimischen Literatur. Ihr vielfältiges Werk spannt sich von engagierter Prosa über Essays und Hörspiele bis zu zarter, bildmächtiger Lyrik. Dabei stritt sie nicht nur literarisch für ihre Anliegen, sondern wich auch gesellschaftlichen Debatten nie aus.Kerschbaumer wurde 1936 in Garches bei Paris als als Tochter einer im Nationalsozialismus verfolgten Österreicherin und eines Kubaners geboren. Die ersten drei Lebensjahre verbrachte sie in Costa Rica, bevor sie 1939 nach Tirol kam, wo sie bei den Großeltern aufwuchs. Nach einer kaufmännischen Lehre und Aufenthalten in England und Italien lebt Kerschbaumer, die erst 1948 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, seit 1957 in Wien.Sie besuchte das Gymnasium für Berufstätige und studierte nach der Externistenreifeprüfung Romanistik und Germanistik. 1971 heiratete sie den 2004 verstorbenen Maler und Musiker Helmut Kurz-Goldenstein.1970 erste VeröffentlichungIhren ersten Band „Gedichte“ veröffentlichte Kerschbaumer 1970 als Lektorin in Bukarest, 1976 folgte der Roman „Der Schwimmer“. Ihre von Susanne Zanke auch verfilmte Dokumentation „Der weibliche Name des Widerstands“ (1980) über acht in der Nazizeit ermordete Österreicherinnen gilt heute als eines der zentralen Werke der österreichischen Literatur nach 1945.Mit ihrem „Familienroman“ „Schwestern“ (1982) verfasste Kerschbaumer eine Geschichte des weiblichen Ichs im österreichischen Bürgertum in den politisch-ökonomischen Zusammenhängen von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart.Fordert „uns auf, Verantwortung zu übernehmen“Im Wieser Verlag erschien eine 13-bändige Ausgabe ihrer gesammelten Werke. „Marie-Thérèse Kerschbaumer erinnert uns daran, dass Literatur niemals nur zurückblickt. Ihre Texte schärfen unsere Wahrnehmung für die Gegenwart und fordern uns auf, Verantwortung zu übernehmen“, so der Wieser Verlag.Kerschbaumer bezeichnete sich einst selbst als „Neuromantikerin“. Sie wurde unter anderem mit dem renommierten Meersburger Droste-Preis (1985), dem Literaturpreis der Stadt Wien (1995) und zuletzt dem Tiroler Adler-Orden in Gold (2023) ausgezeichnet. Ihr Vorlass befindet sich seit 2026 in der Wienbibliothek im Rathaus.Neues Buch im SeptemberFür September ist ihr Buch „Riflessioni Tusculane. Geistesgeschichtliche Betrachtungen aus vielen Jahren“ angekündigt – Resultat der Überarbeitung eines Skizzenbuchs. Die darin versammelten Betrachtungen entstanden zwischen August 2007 und August 2024 und „laden zu einer facettenreichen, humanistisch geprägten Entdeckungsreise ein“, verheißt der Wieser Verlag.