Apple hat angekündigt, die neue Siri AI zum Start von iOS 27 und iPadOS 27 nicht in der Europäischen Union bereitzustellen. Schuld seien die europäische Gesetze für digitale Märkte (DMA). Bemerkenswert ist dabei weniger die Verzögerung selbst als die Art ihrer Kommunikation.In einer ungewöhnlich scharf formulierten Pressemitteilung versucht Apple frühzeitig die Deutungshoheit über den Vorgang zu gewinnen und die Verantwortung eindeutig bei den europäischen Regulierungsbehörden zu verorten.Über weite Strecken liest sich die Mitteilung nicht wie eine sachliche Erläuterung technischer oder rechtlicher Hürden. Stattdessen zeichnet Apple ein Bild, in dem die Europäische Union die Einführung moderner KI-Funktionen verhindert, während das Unternehmen selbst als konstruktiver Problemlöser auftritt. Apple formuliert recht eindeutig: Nicht Apple hält die Funktionen zurück, sondern Brüssel.Dieses Muster ist nicht neu. Bereits im Juni 2024 hielt Apple Apple Intelligence, iPhone Mirroring und SharePlay Screen Sharing in der EU zurück und verwies auf regulatorische Unsicherheiten. Schon damals stellte sich die Frage, weshalb ausgerechnet Funktionen wie die Bildschirmspiegelung vom DMA betroffen sein sollten. Ende 2024 startete Apple Intelligence dann in mehreren Ländern außerhalb Europas, während EU-Nutzer weiter warten mussten.Europa als DruckmittelBesonders auffällig ist die Art, wie Apple die Anforderungen des DMA beschreibt. In der Pressemitteilung entsteht der Eindruck, die Europäische Union wolle beliebigen KI-Systemen nahezu unbegrenzten Zugriff auf Nachrichten, Dateien, Apps und persönliche Daten gewähren. Apple zeichnet damit ein Szenario, in dem Nutzer die Kontrolle über ihre Geräte verlieren und Drittanbieter-KIs zur Sicherheitsgefahr werden.Diese Darstellung greift allerdings zu kurz.Tatsächlich geht es beim DMA nicht darum, Nutzer zur Verwendung fremder Assistenten zu zwingen. Vielmehr soll verhindert werden, dass Plattformbetreiber wie Apple bestimmte Funktionen ausschließlich ihren eigenen Diensten vorbehalten. Wenn ein Nutzer bewusst einen alternativen Assistenten installiert und diesem entsprechende Berechtigungen erteilt, stellt sich durchaus die Frage, weshalb dieser nicht auf ähnliche Funktionen zugreifen dürfen sollte wie Apples eigene Siri.Sicherheit oder Kontrolle?Die Argumentation erinnert an frühere Debatten rund um den App Store. Auch dort hatte Apple über Jahre hinweg erklärt, dass die strikte Kontrolle des eigenen Ökosystems vor allem dem Schutz der Nutzer diene. Als die Europäische Union alternative Bezahlwege und mehr Wettbewerb erzwang, warnte Apple vor Sicherheitsproblemen, Betrugsrisiken und einer Verschlechterung des Nutzererlebnisses.Heute können Anbieter wie Spotify oder Patreon ihre Kunden außerhalb von Apples Bezahlsystem abrechnen, ohne dass die befürchteten Katastrophen eingetreten wären. Rückblickend zeigte sich, dass es bei dem Konflikt nicht ausschließlich um Sicherheit ging, sondern auch um die Kontrolle über die Plattform und die damit verbundenen Einnahmen.Früher undenkbar: Spotify zeigt Preise außerhalb des App Stores anGenau deshalb wirkt auch Apples aktuelle Argumentation nicht völlig überzeugend. Selbstverständlich sind leistungsfähige KI-Systeme mit Risiken verbunden. Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig, dass allein Apples eigener Assistent Zugriff auf zentrale Systemfunktionen erhalten sollte. Die eigentliche Streitfrage lautet vielmehr, wer über diese Zugriffe entscheidet: Apple oder der Nutzer selbst.Vor diesem Hintergrund wirkt die Verzögerung von Siri AI zunehmend wie ein politisches Signal. Apple macht die Europäische Union öffentlich für die fehlenden Funktionen verantwortlich, verschweigt dabei aber, dass der aktuelle Zustand auch das Ergebnis einer bewussten Unternehmensentscheidung ist. Statt nach Kompromissen oder schrittweisen Lösungen zu suchen, präsentiert der Konzern den vollständigen Verzicht als einzige Möglichkeit.Genau dadurch entsteht allerdings auch der Eindruck, dass der Frust europäischer Nutzer im laufenden Streit mit Brüssel Apple wohl keineswegs ungelegen kommen dürfte.The post Siri AI (nicht) in Europa: Apple macht die EU verantwortlich first appeared on ifun.de.