Bosnien setzt Wahl zur Nachfolge von Dodik an

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28.08.2025 19.40Online seit heute, 19.40 UhrDie Zentrale Wahlkommission in Bosnien-Herzegowina hat eine Wahl für die Nachfolge des verurteilten bosnisch-serbischen Präsidenten Milorad Dodik angesetzt. Die Einwohnerinnen und Einwohner im mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnten Landesteil Republika Srpska sollen am 23. November einen neuen Präsidenten wählen, wie die Wahlkommission heute ankündigte. Dodik war Anfang August seines Amtes enthoben worden, erkennt diese Entscheidung aber nicht an.Heute bezeichnete Dodik die für November angesetzte Wahl als „bedeutungslos“: „Diese Wahlen werden in der Republika Srpska nicht stattfinden“, sagte Dodik vor Journalisten in Banja Luka, dem Sitz der Regierung der Republika Srpska.„Menschen werden demonstrieren“„Ich drohe nicht mit Gewalt“, fuhr er fort. „Aber ich glaube, dass die Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren werden“, sagte Dodik. Statt der Wahl zu seiner Nachfolge hat er für den 25. Oktober ein Referendum über seine Präsidentschaft angesetzt.Dodik war zu einer einjährigen Haftstrafe und einem sechsjährigen Ämterverbot verurteilt worden. Grund für das Urteil sind zwei Gesetze aus dem Juli vergangenen Jahres, mit denen der Nationalist die Umsetzung von Entscheidungen des Hohen UNO-Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina untersagt hatte.Dodik sieht sich weiterhin als PräsidentDodik betrachtet sich weiterhin als rechtmäßigen Präsidenten der Republika Srpska. Den Prozess gegen sich bezeichnet er als politisch motiviert. Während seiner fast zwei Jahrzehnte an der Macht hat Dodik immer wieder die Abspaltung seines Landesteils von Bosnien-Herzegowina vorangetrieben. Der prorussische Politiker ist wegen seiner separatistischen Politik seit 2017 mit Sanktionen aus Washington belegt.Bosnien-Herzegowina ist seit dem Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 aufgeteilt in die überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden halbautonomen Landesteile haben eigene Regierungen und Parlamente und sind durch eine schwache Zentralregierung verbunden. Das Urteil gegen Dodik löste laut Beobachtern die größte Krise in dem Balkanstaat seit dem Bosnien-Krieg (1992–1995) aus.