Es sind wahre Sternstunden des Klimajournalismus. Die Süddeutsche titelt: “Klimawandel macht Haie zahnlos“. Und das Qualitätsmedium ORF verkündete in Ö1 sowie via ORF Science: “Ozean: Übersäuerung der Meere greift Haizähne an“. Was aus den dramatischen Titeln nicht hervorgeht: Die Quelle ist eine deutsche Klima-Studie von Prof. Dr. Sebastian Fraune und Kollegen, die “mögliche Probleme” für Haizähne im Jahr 2300 verorten. Das rechtfertigt natürlich absurde Berichte, die brandaktuell klingen – oder?Wenn man denkt, es geht nicht mehr blöder – kommt von irgendwoher eine Studie daher – und zahlreiche Zitate in so genannten “Qualitätsmedien”, die sich dem “Klimajournalismus” verpflichtet haben. Dafür gibt es ja auch reichlich Geld aus verschiedenen Quellen, beispielsweise der Europäischen Union.Prof. Dr. Sebastian Fraune vom Institut für Zoologie und Organismische Interaktionen der HHU hat sich ein lustiges Gedankenexperiment überlegt, wie die Zähne von Haien auf “Übersäuerung der Meere” durch ansteigenden CO₂-Anteil in der Atmosphäre reagieren. Bevor wir die Gaga-Studie sachlich auseinandernehmen, rate ich zu einer logischen Überlegung, zu der jeder Mensch fähig sein sollte, der vor 20,30 Jahren eine allgemeinbildende höhere Schule besucht hat. Haie gehören zu den ältesten, heute noch lebenden Wirbeltieren der Erde. Die ältesten erhaltenen Fossilien sind 400 Millionen Jahre alt. Vor 400 Millionen Jahren, auch das ist belegt, war der CO-Anteil in der Erdatmosphäre 10 Mal höher als heute, er lag bei bis zu 4.000 ppm. Auch in der Zwischenzeit bis heute wurden immer wieder lange Perioden mit 1.000 ppm bis 1.500 ppm nachgewiesen. Wenn also die possierlichen, lieben kleinen Haie ein Problem mit etwas mehr CO₂ in der Atmosphäre hätten, wären sie inzwischen ausgestorben – lange genug Zeit hatten sie ja. Es ist also vor einer inhaltlichen Beschäftigung mit der Studie sonnenklar, dass es sich um abenteuerlichen Schwachsinn handelt. Die Studie, welche Klimajournalisten weltweit zu Höchstleistungen ansporten, trägt den Titel „Simulated ocean acidification affects shark tooth morphology“, veröffentlicht am 27. August 2025 im renommierten und als besonders seriös geltenden Frontiers in Marine Science. Sie ist hier abrufbar. In der Arbeit wird behauptet, dass ein sinkender pH-Wert im Meerwasser die Zähne von Schwarzspitzen-Riffhaien (Carcharhinus melanopterus) schädigt. Angesichts der fortschreitenden Versauerung der Ozeane durch steigende CO₂-Emissionen warnt die Studie vor potenziellen Folgen für marine Ökosysteme, da Haie als Spitzenprädatoren eine Schlüsselrolle in der Nahrungskette spielen. Die Wissenschaftler simulierten zwei Szenarien: den aktuellen Ozean-pH-Wert von 8,1 und einen prognostizierten Wert von 7,3 für das Jahr 2300, basierend auf einem frei erfundenen Worst-Case-Klimaszenario (SSP5-8.5). Dieses Szenario nimmt übrigens einen CO₂-Anstieg auf 1.000–1.200 ppm an. (Vergleichen Sie bitte mit meinen Ausführungen zur Geschichte des Planeten, weiter oben.)Über 600 abgeworfene Haizähne wurden gesammelt, und 16 intakte Exemplare wurden acht Wochen lang in künstlichem Meerwasser mit diesen pH-Werten inkubiert. Soll heißen, man hat keine lebenden Haie untersucht, sondern die Auswirkung von übersäuertem Meerwasser auf ausgefallene (“tote”) Zähne. Ziel war es, die physischen Veränderungen an den Zähnen zu untersuchen, die aus Fluorapatit bestehen – einem Material, das eigentlich als säureresistent gilt. Es handelt sich also um eine Laborstudie mit null Aussagekraft auf reale Bedingungen.Die Zähne wurden mit Licht- und Rasterelektronenmikroskopen am Center for Advanced Imaging der HHU untersucht, um Oberflächenschäden wie Risse, Löcher und Wurzelkorrosion sichtbar zu machen. Quantitative Messungen der Oberflächenrauigkeit ergänzten die Analyse, wobei die Zähne in 500 µm² große Bereiche unterteilt wurden, um Schäden statistisch zu erfassen. Die Ergebnisse zeigen, dass Zähne bei pH 7,3 etwa 50 % mehr Schäden (4,8 ± 0,7 geschädigte Bereiche pro 500 µm²) aufwiesen als bei pH 8,1 (3,2 ± 0,5). Die mikroskopischen Bilder offenbaren zudem eine stärkere Korrosion an Zahnschmelz, Dentin und Wurzeln, was die strukturelle Integrität der Zähne erheblich beeinträchtigt. Die Studie behauptet, dass Ozeanversauerung Haizähne signifikant schwächt, was ihre Funktion als Jagdwerkzeug gefährden könnte. Da Haie ihre Zähne regelmäßig ersetzen, bleibt unklar, ob dieser Mechanismus die Schäden kompensieren kann – besonders bei Arten mit langsameren Replikationszyklen. Die Autoren betonen, dass geschwächte Zähne die Fitness von Haien beeinträchtigen und so marine Ökosysteme destabilisieren könnten, da Haie als Regulatoren der Artenvielfalt fungieren. Es gibt meines Wissens keinen Hinweis darauf, dass das Meer in den letzten 400 Millionen Jahren jemals einen pH-Wert unter 7.8 hatte. Die Annahme eines Wertes von 7.3 bei 1.000-1.200 ppm CO₂ in der Atmosphäre ist also völlig abenteuerlich und hat mit der Realität nichts zu tun. Mein Tipp: Meiden Sie alle Medien, welche solche Studienergebnisse ohne Einordnung und Prüfung publizieren oder gar als “aktuelle” Bedrohung publizieren.