Im verteidigungspolitischen Arbeitskreis der AfD-Bundestagsfraktion brodelt es. Eine Gruppe um den Abgeordneten Heinrich Koch will den langjährigen Sprecher Rüdiger Lucassen morgen, Dienstag, aus dem Amt drängen – wie t-online berichtet. Der Vorwurf: „Alleingänge“, „Führungsdefizit“ und „irreführende Darstellung“ interner Abstimmungsstände. Lucassen selbst sieht die Sache anders – und nennt das Kind beim Namen: Höcke.Sechs Anklagepunkte listet der Abwahlantrag auf, darunter eigenmächtige Pressepapiere ohne Rückkopplung im Arbeitskreis, Missachtung interner Verfahren und ein strukturelles Muster, das abgestimmte Prozesse unterlaufe. Die Vertrauensbasis sei „zerstört“, heißt es darin. Als Nachfolger ist Jan Nolte vorgesehen, bisher Stellvertreter im Gremium.Lucassen steht seit dem Ersteinzug der AfD in den Bundestag 2017 auf diesem Posten. Er gilt als überzeugter Transatlantiker: pro Nato, pro Wehrpflicht, pro USA. Genau das macht ihn zur Zielscheibe des souveränistischen Lagers innerhalb der Fraktion – koordiniert von Stefan Möller, öffentlich kommentiert von Torben Braga, ideologisch gedeckt von Björn Höcke aus Thüringen.Der Grundkonflikt schwelt seit Beginn des russischen Angriffskriegs. Die ostdeutschen AfD-Verbände pflegen das Narrativ der „Friedenspartei“, während Lucassen und Mitstreiter auf Bündnisverteidigung und Wiederbewaffnung pochen. Im Streit um die Wehrpflicht unterlag Lucassen zuletzt deutlich – auch Alice Weidel schwenkte auf die Thüringer Linie ein. Für eine Bundestagsrede, in der er Höckes Haltung zur Wehrpflicht kritisierte, erhielt er eine förmliche „Missbilligung“ der Fraktionsführung.Auf X versuchte Lucassen am vergangenen Samstag in einem langen Post, Braga direkt anzugehen und die Abwahlkampagne als Höcke-gesteuerte Racheaktion darzustellen. Braga wies das öffentlich zurück: Die Zweifel an Lucassens Führungsstil hätten mit Höcke und Wehrpflicht „gar nichts zu tun“. Auch Nolte – sonst bekannt für öffentliche Zurückhaltung – meldete sich ungewöhnlich deutlich zu Wort: Der Arbeitskreis sei nicht „aus Thüringen ferngesteuert“, die Kritik betreffe allein den Umgang mit den Mitgliedern.Koch stellte seinem Abwahlantrag vorsichtshalber eine „Vorbemerkung“ voran: Der Arbeitskreis bekenne sich zur Wehrpflicht und zur Nato-Bündnisverteidigung. Es gehe nicht um Inhalte, sondern um „Stil und Zusammenarbeit“. Eine Formulierung, die wie eine Schutzbehauptung wirkt – denn der Konflikt, der hier ausgetragen wird, ist seit Jahren ein handfest ideologischer.Ob die Abwahl gelingt, ist offen. Im Arbeitskreis wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig, anschließend müsste auch die Gesamtfraktion mit derselben Mehrheit zustimmen. Lucassens politische Überlebensfähigkeit in einer Fraktion, die zunehmend im Orbit Höckes kreist, dürfte damit unabhängig vom morgigen Ergebnis begrenzt sein.Quellen: t-online