Skandal um gefälschte Sprachzertifikate in Südtirol

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22.04.2026 15.37Online seit heute, 15.37 UhrIn Südtirol ist ein Skandal um gefälschte Sprachzertifikate ans Licht gekommen. Ins Visier der Ermittler war eine Person geraten, die für eine Wach- und Schließgesellschaft arbeitete und in einem Bozner Spital tätig war.Der Mann steht unter Hausarrest, wie Südtiroler Medien berichteten. Mindestens 40 öffentlich Bedienstete – von Ärzten bis zu Stadtpolizisten – sollen ein gefälschtes Sprachzertifikat vorgelegt haben. Der Nachweis ist Voraussetzung für eine unbefristete Anstellung im öffentlichen Dienst in Südtirol.Seit Dezember vorigen Jahres standen bereits fünf Ärzte im Visier der Bozner Staatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft am Rechnungshof.Finanzpolizei ermitteltDie Finanzpolizei will bei den von den Medizinern vorgelegten Sprachzertifikaten auf Unregelmäßigkeiten gestoßen sein. Bereits im Oktober hatten zwei Ärzte und sieben Krankenpfleger wegen mutmaßlich gefälschter Sprachzertifikate ihre Arbeit im Sanitätsbetrieb verloren. Eine Kernfrage blieb offen, nämlich, wie die Betroffenen zu den Zertifikaten gekommen sind.Seit dem Jahr 2010 kann der Zweisprachigkeitsnachweis nicht nur durch das Bestehen der entsprechenden Prüfung, sondern auch nach Vorlage von international anerkannten Sprachzertifikaten und Studientiteln erlangt werden.Politische DebatteWährend in Bozen die Ermittlungen weitergehen und sich ausweiten, hat sich nun auch eine politische Debatte entzündet. So werden Stimmen laut, die eine grundlegende Reform des Systems fordern.Laut dem ehemaligen Meraner Bürgermeister Dario Dal Medico, der als Anwalt einige der betroffenen Ärzte vertritt, würde eine konsequente Anwendung der Sanktionen schwerwiegende Folgen haben, und es werde Hochdeutsch unterrichtet, das sowieso keiner spreche.Prompt kam die Replik von Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP). „Wir sprechen hier von einer viel zu wichtigen und ernsten Angelegenheit, als dass man sie mit ein paar flapsigen Bemerkungen lösen könnte“, erklärte dieser.Am Grundprinzip der Zweisprachigkeitsprüfungen werde „nicht gerüttelt“, betonte der Landeschef. Die Landesregierung verstärkte indes ihre Kontrollen und arbeitet laut eigenen Angaben eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen.