Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will bei einer Konferenz am Freitag in Paris ein konkretes deutsches Angebot zur Sicherung der Straße von Hormus vorlegen: Minenjagdboote, ein Begleitschiff und Aufklärungsflugzeuge vom Typ P-8 Poseidon, wie t-online unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. Der Haken: Alle drei Bedingungen, die Merz selbst stellt, sind derzeit unerfüllt.Die Bundeswehr verfügt über acht Minenjagdboote und zwei Minentauchereinsatzboote – wie viele davon zum Einsatz kämen, will Merz in Paris noch nicht benennen. Die über 50 Meter langen Boote sind mit einer 42-köpfigen Stammcrew besetzt, ergänzbar um Minentaucher. Dazu kämen P-8-Poseidon-Seefernaufklärer mit elfköpfiger Besatzung sowie ein Versorgungsschiff.Merz hat drei klare Voraussetzungen für einen deutschen Einsatz definiert: Erstens eine Waffenruhe im Iran-Krieg – ein Einsatz während laufender Kampfhandlungen ist für die Bundesregierung ausgeschlossen. Zweitens eine völkerrechtliche Absicherung, idealerweise durch ein UN-Sicherheitsratsmandat. Drittens ein belastbares militärisches Konzept, das die Pariser Konferenz erst erarbeiten soll – verbunden mit der deutschen Forderung nach einer signifikanten US-Beteiligung.Genau an diesem letzten Punkt hakt es. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellt sich eine Mission vor, an der die Kriegsparteien – USA, Israel und Iran – gerade nicht beteiligt sind. Merz sieht das anders: „Da gibt es gute Argumente dafür“, sagte er in Berlin auf die Frage nach einer US-Beteiligung, „aber darüber werden wir morgen in Paris sprechen.“ Mit am Tisch sitzen in Paris auch der britische Premier Keir Starmer und Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni.Dabei steckt in diesem scheinbar technischen Streitpunkt – mit oder ohne USA – die eigentliche politische Sprengkraft. Minenräumen gilt völkerrechtlich zwar als defensiv, und ein UN-Mandat würde die Mission formal absichern. Doch wenn ein Minenjäger beschossen wird oder auf eine Mine läuft, greift das Selbstverteidigungsrecht automatisch – und aus einer Räummission wird über Nacht etwas anderes. Der Iran hat nach den US-israelischen Angriffen die Kontrolle über die Meerenge an sich gerissen und dürfte ausländische Marineverbände in seinem Einflussbereich kaum als neutrale Helfer betrachten, UN-Stempel hin oder her.Noch heikler: Merz‘ Bedingung einer „signifikanten US-Beteiligung“ kollidiert direkt mit Macrons Vorstellung, die Kriegsparteien außen vor zu lassen. Sollte Deutschland Seite an Seite mit US-Streitkräften in der Straße von Hormus operieren, wäre die Frage, ob man sich damit nicht doch auf der einen Seite eines laufenden Konflikts wiederfindet, keine theoretische mehr. Weder Krieg noch Frieden, weder Kampfeinsatz noch bloße Patrouille – das ist die Konstruktion, die Merz da anbietet. Und genau solche Konstruktionen haben die Eigenheit, sich in der Realität nicht lange halten zu lassen.Eins steht ohnehin fest: Ohne Zustimmung des Bundestages geht gar nichts. Die Koalitionsfraktionen wurden bereits informiert. Bis dahin bleibt das deutsche Angebot das, was es im Moment ist: ein Signal, kein Befehl.