„Zu Ihrer Verfügung“: Ungarns Minister in Gespräch mit Lawrow

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31.03.2026 17.10Online seit heute, 17.10 UhrIn Ungarn und auch in Brüssel ist heute ein Telefonmitschnitt aufgeschlagen, der erneut ein Schlaglicht auf Budapests Ausrichtung wirft. Das investigative Nachrichtenportal Vsquare.org mit Sitz in Warschau veröffentlichte Zitate von Ungarns Außenminister Peter Szijjarto und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow aus dem August 2024. Darin diskutierten die beiden über die Sanktionen der EU und wie Ungarn dem Kreml behilflich sein könnte.IMAGO/Valery SharifulinLaut der Aufnahme rief Lawrow Szijjarto an, um ihn an ein Versprechen zu erinnern. Er sollte sich darum kümmern, dass die Schwester des russischen Oligarchen Alischer Usmanow von der EU-Sanktionsliste gestrichen wird. „Schauen Sie, ich rufe auf Bitten von Alischer an, und er hat mich gerade gebeten, Sie daran zu erinnern, dass Sie etwas wegen seiner Schwester machen“, so Lawrow.„Ja, absolut“, antwortete Szijjarto laut der englischsprachigen Audioaufnahme. Ungarn und die Slowakei würden in der folgenden Woche einen Vorschlag zur Streichung von Gulbahor Ismailowa von der Liste einreichen. „Wir werden unser Bestes tun, um sie von der Liste zu bekommen“, so Szijjarto auf dem Tape. „Ich stehe stets zu Ihrer Verfügung.“ Einige Monate später wurde die Frau auch tatsächlich von der EU-Sanktionsliste gestrichen.Szijjarto: „Riesiger Skandal“Ein Sprecher von Vsquare.com sagte gegenüber Reuters, dass die Audioaufnahme mit Hilfe von Quellen in mehreren Ländern und externen Fachleuten unabhängig verifiziert worden sei.Szijjarto räumte ein, vor oder nach Treffen der EU-Außenminister Rücksprache mit Nicht-EU-Ländern gehalten zu haben, darunter Russland, die USA, die Türkei und Israel. Das sei „völlig natürlich“.In einem Facebook-Video bestätigte er zudem, dass seine Gespräche abgehört worden waren. „Es ist ein riesiger Skandal, dass ausländische Geheimdienste meine Telefongespräche ständig abgehört haben und diese Gespräche nun, anderthalb Wochen vor der ungarischen Parlamentswahl, veröffentlicht haben“, sagte er.Ungarns Russland-Kontakte im VisierErst vor einer Woche hatte sich die EU „äußerst“ besorgt gezeigt über Berichte, wonach ungarische Regierungsmitglieder vertrauliche Informationen von Ministertreffen in Brüssel an Moskau weitergegeben haben sollen. „Wir erwarten von der ungarischen Regierung, dass sie Erklärungen liefert“, sagte eine Sprecherin der Kommission Richtung Budapest.Zuvor hatte die „Washington Post“ unter Verweis auf EU-Sicherheitskreise berichtet, dass Szijjarto in den Pausen von Außenministertreffen „regelmäßig“ mit Lawrow telefoniert habe, um „live“ über das zu berichten, was bei den Treffen besprochen wurde. Schon seit Längerem biete Ungarns Regierung Moskau detaillierte Infos von den Treffen in Brüssel, hieß es.Wahl steht bevorSzijjarto dementierte damals den Bericht, Premier Viktor Orban ordnete eine Untersuchung wegen mutmaßlichen Abhörens von Szijjarto an. Orbans rechtspopulistische Partei FIDESZ steht am 12. April vor seiner schwierigsten Wahl seit 16 Jahren. Die Mitte-rechts-Oppositionspartei TISZA führt in den meisten unabhängigen Umfragen mit großem Abstand. Orban ist ein enger Verbündeter Moskaus innerhalb der EU, Ungarn ist auch weiterhin stark abhängig von russischem Öl.