16.01.2026 08.13Online seit heute, 8.13 UhrEine doppelte Begegnung mit Joseph Roth hat das Wiener Volkstheater auf die Bühne gebracht. Die Premiere der Revue „Ukrainomania“ gestern Abend in Wien erinnerte nicht nur an den direkten Austausch zwischen dem Volkstheater und dem Nationaltheater Lwiw über den in Galizien geborenen Autor Roth.Roth selbst wird in dem Stück, das Regisseur Jan-Christoph Gockel aus Texten von Roth sehr frei zusammengesetzt hat, in seine Heimat zurückgeschickt – und das ist die Ukraine der Gegenwart und des Krieges.Die Begegnung, die hier zwischen dem Roth-Darsteller Bernardo Arias Porras und der ukrainischen Schauspielerin Solomija Kyrylowa entsteht, ist eine der Befremdung. Sorgt sich Roth, aus dem Grab in Paris entstiegen, um die Frage seiner Verbreitung in der einstigen Heimat, so begegnet die junge Darstellerin dem ihr eher fremden Autor mit einer Grundsatzfrage: Wie gehst du um mit einer Welt, die im Krieg, wie von Roth beschrieben, verrückt geworden ist?Während Roth den Rückblick beschwört und in seinen Antiidealisierungen wie der Vorbote von Thomas Bernhard wirkt, ist die ukrainische Antwort auf die Verwüstung des Krieges die eines kreativen Überlebenswillens.Die Bühnenrevue erinnerte nicht nur ästhetisch an die 1990er Jahre. All jene, die einst nach Galizien oder in die Bukowina auf den Spuren deutschsprachiger Autoren wie Roth, Paul Celan und Rose Ausländer waren und damals ein Land im Aufbruch erlebten, müssen nun erkennen, dass die einstigen Hoffnungen in jener Welt geendet haben, gegen die Celan und Ausländer kämpften.„Eine Nation, die ihre Selbstständigkeit verliert, herrscht in der Operette und in den Varietes“, schrieb Roth. In der Ukraine gilt das Theater im Krieg als systemrelevant, weswegen Darsteller zeitweilig vom Kriegsdienst befreit sind. Zurück zur StartseiteORF.atNicht alle Bilder konnten vollständig geladen werden. Bitte schließen Sie die Druckvorschau bis alle Bilder geladen wurden und versuchen Sie es noch einmal.